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Am 16. Mai verletzte sich unser Nachwuchstorwart mit Profierfahrung Niklas Hartmann im Spiel der U23 gegen den SV Schermbeck. Diagnose Kreuzbandriss am linken Knie. Mit der „wahrscheinlich beschissensten Verletzung“ die ein Fußballspieler haben kann, wird Niklas Hartmann zu einer sechsmonatigen Pause gezwungen.

Soweit ist Alles bekannt, aber wo kommen da die Südland-Arminen ins Spiel?

1. Ein Großteil von uns hatte das Vergnügen Niklas bei seinem ersten Bundesligaspiel in Augsburg beobachten zu dürfen, was für uns natürlich eine besondere Beziehung begründet.

2. Vom behandelnden Arzt wurde Niklas zur Operation nach München überwiesen.

Da war der Plan natürlich schnell gefasst Niklas auch fernab der Heimat das Gefühl zu geben, dass an ihn gedacht wird. Deswegen haben wir Niklas am 1. Juni 2010 – einen Tag nach dem operativen Eingriff – am Krankenbett besucht. Aus der geplanten „Stippvisite“ ergab sich ein spannendes und anderthalbstündiges Gespräch über die vergangene Saison, Chancen auf den Profikader aber auch über das Leben in Bielefeld und die Schulzeit als Leistungssportler. Insofern war es für alle ein sehr kurzweiliger Abend und wir freuen uns, dass wir Niklas – der wegen der großen Entfernung zu Bielefeld nicht allzu viel Besuch bekommt – auch ein wenig die Zeit vertreiben konnten. Natürlich bekam Niklas neben dem obligatorischen Blumengruß auch noch den aktuellen Südland-Arminen-Schal überreicht, der uns in seiner Erinnerung hoffentlich präsent hält.

Alle Südland-Arminen wünschen Niklas Hartmann eine unkomplizierte Reha und schnelle Genesung. Wir freuen uns darauf ihn auch in den nächsten Jahren fit und erfolgreich zwischen unseren Pfosten zu sehen.

Neulich begleitete ich meine bessere Hälfte in eine kleine Studentenkneipe, in der eine Ihrer Arbeitskollegin an diesem Abend als DJ auflegen durfte. Wir kamen also in die Kneipe, die eher wie ein überdimensionierter Jugendkeller aussah, mit Tischen, in die sich jeder schnitztechnisch verewigen durfte, und gepolsterten Bierkisten als Sitzgelegenheit, eingebettet in Kicker, Dart, Billiard und Co.

Und wie so oft in solchen Kneipen fanden sich unzählige St. Pauli – Aufkleber „St. Pauli gegen Rechts“ auf Wänden, Tischen und dem DJ-Pult. Mal ganz abgesehen davon, dass die Hälfte der Leute, die diese Aufkleber überall hinbappen überhaupt nicht einmal am Millerntor waren – schließlich gehört es ja anscheinend zum guten Ton in der linken Szene St. Pauli Fan zu sein, egal ob man Fußball mag oder nicht – stellte sich mir dennoch eine Frage: Warum werden diese Aufkleber nicht wie alle anderen auch mehr oder weniger sauber entfernt?
Vielleicht, weil man dieser Aussage eher zustimmt und diese besser zu vertreten ist als „Hoffenheim Ultras“. Wer will denn schon als Rechter gelten in einer eher alternativen Kneipe – oder sonstwo, wo man die Sticker findet.

Damit wurde mir sofort ein neues Projekt klar: Wir brauchen Sticker, die die Menschen nicht nur vom Verein her ansprechen, sondern die Themen von breiten Bevölkerungsschichten aufgreifen! Beispiel Tierschutz: Arminia gegen Robben schlachten! Oder für die diversen „Horror-U-Bahnhöfe“ (Zitat aus einer Münchner Tageszeitung): „Arminia against Robbery“. Oder vielleicht doch lieber etwas positiv ausgedrückt?: „Arminia für Freibier!“ – Obwohl, das würde dann wohl doch wieder vom Wirt entfernt werden…

11.04.2010

Heimspiel.

Das war ja nun mal ein chaotisches Frühjahr – Arminia pleite, vier Punkte Abzug, mehr schlechte als rechte Spiele, Aufstieg adé und so irgendwie hat man immer noch ein flaues Magengefühl wenn das Wort „Lizenz“ durch die Gegend spukt. Und das dummerweise noch im Land von zwei Vereinen: die einen, die gegen ManU ins Champions League Halbfinale eingezogen sind – und die anderen, die im Münchner Stadionknast gefangen sind und eigentlich genauso pleite wie Arminia sein dürften (komisch, dass so was immer mit Stadien(aus)bauten zu tun hat, oder?).

Und genau dazwischen geht man täglich zur Arbeit. Das Hinspiel gegen 60 war ja schon Spießrutenlauf genug – hatte doch Arminia am Anfang der Saison eine schmutzige Siegesserie hinter sich und ich einen zu großen Mund, so durfte ich mir das eine oder andere anhören. Und auch wenn es noch einige Enthusiasten mit Taschenrechnern unter uns gibt, war es eigentlich klar, dass es um gar nichts mehr geht – außer eben um den nächsten Arbeitstag im Betrieb. In Gedanken suchte ich schon nach einem Konditor, der mir einen „Der Armine in dir“-Kuchen backen würde, den ich dann in den Pausenraum bei der Arbeit stellen könnte…

So trafen wir uns am Marienplatz und fuhren hinaus aus der Stadt zur Arroganz-Arena, die landschaftsarchitektonisch einwandfrei in die ehemaligen Münchner Müllberge eingepasst wurde. Warum werden die Müllberge eigentlich auf der A9 mit dem Berliner Bären angekündigt?

Eine gute Stunde später standen wir dann im eigentlichen Bayern-Fanblock, ca. 250 Arminen, daneben 15.000 Münchner, irgendwie verloren in einem Schlauchboot für 67.000 Zuschauer. Arminia spielte gut mit, kämpfte um die Bälle, auch wenn es nur wenige gute Chancen gab (aber immerhin einen Lattenschuss). Auch wenn der zwischenzeitliche Ausgleich zu allgemeinem Jubel verleitete, lagen die Blauen bald schon wieder hinten. Aber sie spielten weiter und man hoffte noch auf den Ausgleich, bevor dann kurz vor Schluss das 3:1 fiel. Kurios: Die Sechziger sangen „Scheiß-Arena“, worauf eine Gruppe (schwerhöriger) Arminen selbstironisch antworteten: „Scheiß-Arminia“. So ging das Spiel zu Ende und vermutlich drückte sich Ewald noch eine Träne aus dem Auge, als der Mannschaftsbus der Blauen gen Heimat fuhr.

Ganz klar, das Spiel erforderte noch eine Nachbesprechung im Andechser. Und natürlich wurden wir allseits etwas belächelt, was noch umso schlimmer war, als das alle uns nach dem Ergebnis fragten. Aber wie heisst es so schön: Arminia ist, wenn man trotzdem lacht. So fanden wir auch alsbald nette Leute, die sich zu uns setzten und uns erzählten, dass die Armina-Fans in München einen guten Ruf haben – treu und gute Stimmung – und wir halfen an diesem Abend kräftig mit, diesen Ruf zu festigen…

Auf dem Rückweg in der S-Bahn dann die letzte Begegnung des Abends. Nachdem mich ein betrunkener Halbstarker zuerst für einen Hertha-Anhänger hielt (Hä???), musste ich ein letztes Mal das Ergebnis rezitieren.

„Was? Gegen Sechzig? Wenn nicht gegen so eine Mannschaft gewinnen, gegen welche dann?“, er belacht mich lautstark.

Ich antwortete: „Also müsste ich mich entscheiden – ich wär eher Sechziger als Bayernfan.“

„Hey was soll‘n das heißen?“

Ich sage: „Wie viele Leute gehen ins Stadion? 67.000?“

„69.000!!!“

„69.000 – und dann so eine Stimmung?“

„Schlecht‘ Stimmung? Hast du das Spiel gegen Man U g’sehn?“

„Nein, aber genau das ist der Punkt – Ihr Bayern musstet noch nie einen Abstieg bis in die dritte Liga verkraften, Punkteabzüge, und miserable Fußballspiele. Bist du an einem Arbeitstag 600 km gereist um dir ein voraussichtlich schlechtes Spiel anzusehen? Was du machst ist Erfolgsfußballkonsum. Da hör ich lieber auf den Hoeneß und such mir eine Mannschaft die gute Stimmung hat und schlechten Fußball spielt. Leiden schaft und Demut – DAS ist Arminia!“

Die Bahn hält an meiner Station und ich steige aus. 4:0 - Fußballgrüße aus Bielefeld.

So heißt zumindest eine Gruppe bei facebook, auf die ich zuletzt aufmerksam geworden bin. Donnerwetter, denke ich, ist Augsburg (und alles was dazu gehört, inklusive dem FC) wirklich so schön wie Bielefeld? Ich war auf jeden Fall gespannt dies herauszufinden und wurde mit jedem Tag kribbeliger, an dem der Südland-Ausflug näher rückte. Also schnell am Freitag den Arbeitstag beendet, Tasche gepackt und los ging’s nach `Augschbuarg´. Und tatsächlich – in Augsburg ausgestiegen sah die Stadt wirklich nett aus und hätte zum Schlendern eingeladen, wäre es nicht so stark am Schneien gewesen. Zum ersten Mal wurde ich stutzig, als ich auf dem Weg zum Treffpunkt die Karlstraße entlang lief, an der ein kleiner Laden mit dem Schild „US Freizeitshop“ lag, in dessen Schaufenster diverse Messer, Macheten und sonstige Waffen zu finden waren. Vor meinem geistigen Auge malte ich mir aus, wie die Augsburger ihre Freizeit verbringen und beschleunigte meine Schritte in Richtung Treffpunkt.
Zu dieser Zeit hatte sich eine kleine Gruppe Bielefelder bereits beim König von Flandern zu Hofe begeben, und probierten schon mal das gute selbstgebraute. Die ganz tapferen durften auch den vom Hause aus so genannten Turbodiesel probieren, ein Doppelbock mit Asbach - und kleinen Kindern drin.

Entsprechend fand ich die Bande in einem Kellergewölbe unter einer großen Südland-Zaunfahne, als ich denn gegen halb acht / acht dazu gestoßen bin. Unsere Bedienung merkte jedoch auch bald, dass dies ein geschäftiger Abend wird, denn nachdem diverse Arminen zigmal versuchten ihren Namen (Esna?) zu nachzunuscheln (Turbodiesel oder Schwedenbalm?) und sie uns den sogar aufgeschrieben hat (sie hatte echt Geduld…), wurde sie kurzerhand auf Inga umgetauft. Der Rest des Abends verlief dann ungefähr so:
„Inga,bring uns doch noch so ne Flasche Bier.“
„Aber ich heiße nicht Inga!“
„Ja, macht ja nix. Aber bringste mit, ja?“
„Ja, ok.“
„Danke, Inga!“

Und ich weiß ja nicht, ob ihr das kennt, wenn ein kleiner Junge Heiligabend das Leuchten in den Augen hat, wenn die Geschenke kommen – an diesem Abend hatte es der Dude, denn es gab sogar einen Ehrengast, Marco Küntzel. Den Rest des Wochenendes sah man den Dude nur noch anderen Leuten sein Bild mit Küntzel zeigen und hörte Gesprächsfetzen wie „…vier Tore…gegen Osnabrück…WESST DU DAS DENN NICHT MEHR!?“. Ich habe so ein bestimmtes Gefühl, dass Marco Küntzel die Südlandarminen nicht zum letzten Mal gesehen hat…

Man muss aber den Augsburgern auch lassen, dass sie sehr nett und hilfsbereit sind. So wurde man als Armine direkt angesprochen und der Weg zur Impuls-Arena erklärt. „Ja, aber wir wollen doch zum Rosenaustadion.“ „Ja aber da seits falsch! Ihr müscht zur Arena!“ „Nein, wirklich, wir wollen zur Rosenau.“ „Naa! Geht nüscht dahin! Glaubt’s mir – Ihr müscht zur Arena!“ Ich weiß ja nicht, aber kann es sein, dass es irgendetwas Besonderes unter dem Rosenaustadion gibt? Eine Art Geheimlabor oder einen verfluchten Schatz? In der Gaststätte an der Rosenau gab es zumindest ein gutes gemeinsames Weißwurstfrühstück, bevor es dann endgültig zur Impuls-Arena ging. Das Stadion liegt abgelegen inmitten eines unbebauten Industriegebietes und wirkt irgendwie seelenlos. Ich hätte es eher bevorzugt das Spiel im Rosenaustadion zu sehen, denn dort konnte man so etwas wie Tradition spüren. Kurz vor dem Spiel kam dann auch zur Freude aller Pity an. Wieder hatte ich Kindheitserinnerungen, nur diesmal nicht von Weihnachten, sondern von der Muppet Show in der einmal ACDC zu Gast war. Die Band spielte in der Show „Hells Bells“ und als die Glocke zum ersten Mal ertönte wurde „das Tier“ von der Kette gelassen und ging dann am Schlagzeug voll ab…
An jenem Tag gab es einen Anpfiff in Augsburg und ich glaube es war Dennis, der Pity von der Kette ließ… Die Stimmung im Block war super – aber wie viele Chancen kann man nur daneben holzen?

„Ich warne vor den Folgen des modernen Fußballs!“ (Pity)

War Augsburg im Jahr 2000 noch in der Bayernliga, so hat es jetzt (nicht funktionierende) Ticketscanner am Eingang und sogar Bezahlkarten. Immerhin verwies der Verkäufer darauf, dass das Radler mehr Umdrehungen hat als das Bier. Der Augsburg-Fanblock saß (!) hinter dem Tor und war das Spiel über relativ leise – die eigene Bankrotterklärung der Augsburger Fanszene erfolgte als bei diversen Situationen Tribünengeräusche über Lautsprecher eingespielt wurden. Es mag ja sein, dass einige Vereine ihren eigenen Fanblock übertragen und mag ja auch sein, dass ich mich getäuscht habe – aber als zum Beispiel die gelb-rote Karte für Augsburg kam hörte man aus den Lautsprechern Pfiffe und „Schieber“-Rufe; ich konnte aber im Augsburger Block kaum Leute brüllen oder pfeifen sehen – sehr skuril! Pity und ich versuchten zu kontern mit „Ohne Boxen wär hier gar nichts los!“ Aber leider ist es auch bei vielen Bielefeldern so, dass nur noch auf den Mann vorne mit dem Megaphon gehört wird und einiges an Spontanität so verloren geht. Pity fasste es sehr schön zusammen, mit dem Finger in den Himmel zeigend: „Ich warne vor den Folgen des modernen Fußballs!“

Es gab noch einen kurzen Umtrunk auf dem Augsburger Bahnhof, wo wir uns an den Tisch von einem Augsburger gesessen haben. Auf die Stimmung im Stadion angesprochen und darauf, dass wohl eher Arminia aufsteigen wird als der FCA meinte der nur: „Wovon träumt ihr eigentlich nachts?“ Worauf drei Südländer im Chor antworteten: „Von Arminia!“
Auf der Rückfahrt nach München wurden dann noch Arminia-Lollies an mitfahrende Kinder verteilt. Den einen wollte dann der Vater abgreifen, was man gerade noch verhindern konnte. Dem schien das Ganze sehr suspekt zu sein, hatte er doch Angst, dass in den Lutschern nicht Kirschgeschmack sondern Kirschwasser ist. Kirschwasser in Lutschern an Kinder verteilen? Ich wollte schon fragen ob er aus einem Dorf in Telgte stammt, in der à la „Schöne neue Welt“ die Arbeiterkaste der Epsilons durch Einflößen von Alkohol während der Entwicklung begründet wird.

Zusammenfassend ist Augsburg doch nicht das Bielefeld Bayerns – und ich muss jetzt mal im Internet dudeln: Wo kann man Lollies mit Rum oder Jägermeister finden? Nicht für Kinder versteht sich…

Manchmal beginnen Tage durchaus früh. Wenn der Wecker klingelt, weil man in die Arbeit fahren darf. Oder die Kirchenglocken früher läuten als gewohnt. Oder man(n) äußerst dringend austreten muss. Oder oder oder.

Oder weil das 4 1/2 Monate alte Schätzelein wie gewohnt morgens um kurz nach vier Durst hat. Okay, ich bin ehrlich. Im Normalfall erledigt meine Herzensdame das mehr als gewissenhaft. Und ich schlafe einfach weiter. Nicht aber so an diesem Samstag Morgen. Denn es war etwas anders. Ich wurde wach und sofort hämmerte es in meinem Schädel: es geht zum Fußball. Endlich mal wieder. Die Jungs, das Südland Shuttle, Tabellenvorletzter, sichere drei Punkte.

Also stand ich auf. Morgens um kurz vor halb fünf. Stillte meiner Kleinen ihren unsagbaren Durst. Ich meine, sind wir mal ehrlich: Durst ist fürchterlich. Und jeder von uns kennt dieses Gefühl. Also tat ich es gerne. Die Minuten ticken, während sie fast so gierig wie ihr Papa das Pülleken leert. Und beim letzten Schluck seelig einschläft. Richtig macht sie es. Wer steht schon um kurz vor fünf auf? An einem Samstag? Niemand. Fast. Denn ich tat es.

Schnell ins Wohnzimmer. Autopsie - dem Mörder auf der Spur. Genau das richtige, um wach zu werden. 20 Jahre Mauerfall, die letzten Tage der Ostzone. Yep, nun bin ich wach. Duschen. Getränke mischen. Kamera einpacken. Sternenklarer Himmel. Und die Regenjacke passt kaum in die Tasche. ‘Pack die ein!’ höre ich meine Frau sagen. Mei, wenn es denn sein muss - brauchen werde ich sie wohl eh nicht.

Kurz nach sieben, ab zur SBahn. Treffen um acht am HBF MUC. Bei der zwei. Wo auch sonst. In der Bahn die ersten mitleidigen (oder waren es doch neidischen?!) Blicke, als aus meiner ALDI Wasser 1,5 Liter Pulle der Bacardi Cola nur widerwillig in meinen Rachen läuft. Fürchterlich, warum mache ich das nur? Ankunft am HBF um kurz vor acht. Super, endlich mal kein Personenschaden, wenn ich mit diesen öffentlichen Verkehrsmitteln fahre. Noch ist Zeit für den käuflichen Erwerb einer Dose Bier (übrigens Dennis, die hab ich im Bulli vergessen. Prost!), zwei Packen Ziggis und einer reschen Leberkäs Semmel. Schnell vor zum augemachten Treffpunkt. Um Punkt acht schließen die Türen. Und was soll ich sagen? Es war genau so. Um acht Uhr - PUNKT acht Uhr - drückte Dennis ein Taste und die Türen (ja, es waren zwei!) schlossen automatisch. Einfach so - diese Technik geht an mir vorüber. Wenn ich da an mein erstes Auto denke… Hmmm.

So starteten wir pünktlich gen Norden. 400 km one way. Für 90 Minuten Fußball. Eigentlich ganz schön bescheuert. Kurz hinter Geiselwind schnell Torte in den Windschatten nehmen und weiter geht die rasante Fahrt. Unheimlich, wie schnell so ein Gefährt mit einem CW Wert wie ein Einfamilienhaus sein kann. Pünktlich in Frankfurt war meine Pulle leer. Pünktlich in Frankfurt fing es an zu regnen. Pünktlich in Frankfurt war meine Begeisterung verflogen.

Wir müssen aufsteigen - ging es durch meinen Kopf. wir MÜSSEN aufsteigen! Dieses Grauen, das sich da Zweitligafußball nennt, macht mir einfach keinen Spaß. Ein Stadion, kleiner als der Sportpark in Haching. Ein Regen, schlimmer als zur Regenzeit in sonstwo. Eine Stimmung, mitreissender als eine Runde Grand Prix d`Eurovision. Oooouooouoooouoooo. Minutenlang. Stundenlang.

Nach dem Spiel kurz geschüttelt. Ab zum Bulli. Ab nach Hause. Im HBF am Punkt Zwei Tschö sagen. Noch schnell zu BK. Realisieren, dass der ganze Bahnhof mit Scheißern voll ist. Und ich bin ganz alleine. Egal, trotzdem noch´n großes Maul haben. Dann schnell in die SBahn.

Zu Hause Danke sagen und erkennen, dass Frauen manchmal doch mitdenken. Was habe ich diese Regenjacke geliebt. Auf mein Danke gleich einen Rüffel bekommen. Jetzt mal ehrlich: nach einer halben Pulle Bacardi und einer Dose Jacki Cola darf man(n) doch nach Schnapps stinken. Oder nicht?

Am Sonntag aufwachen und sich schwören: da fahre ich nie wieder hin. Obwohl, die Buletten waren wirklich saulecker. Naja, so weit war es doch nicht. Und regnen wird es ja auch nicht immer… Ach, warten wir doch einfach ab.

;)

8.11.2009

Frank´n´Furter

written by Mücke:

Verdammt war die Nacht wieder kurz – nur dreieinhalb Stunden Schlaf und die Zeit hängt einem schon wieder im Nacken, denn um acht fährt der Arminenshuttle am „Haupteingang“ am Münchner Hauptbahnhof ab. Noch kurz ins Bad, den Sixpack eingepackt, der gestern extra geschont wurde (gemeint ist eigentlich die Wegration für`s Spiel, beim zweiten Durchlesen gefällt mir aber auch die Doppeldeutigkeit), Trikot und Schal angezogen und los ging’s zur S-Bahn.

Am Bahnhof noch schnell einen Kaffee und ein notdürftiges Frühstück gezogen und dann zum Treffpunkt. „Sammelpunkt 2 natürlich ihr Trottel“ schwirrt es durch meinen Kopf, und „Um acht gehen die Türen zu und wir fahren ab… also dann nicht noch bummeln, Oma anrufen…“ – eigentlich keine schlechte Idee, habe ich schon lange nicht mehr gemacht – aber dann sehe ich die Uhrzeit, verwerfe den Gedanken und beschleunige meinen Schritt, bis ich den schwarzen Shuttle sehe. Die Seitentür hebt sich vor und gleitet motorisiert zur Seite. Wie im Flugzeug, fehlt nur noch die hübsche Stewardess – stattdessen eine Begrüßung von Stefan. Drinnen wartet noch Donots, und kurz nach mir trifft Henning ein.

Um Punkt acht gehen tatsächlich langsam wieder die Seitentüren zu. Nanu, sollten wir nicht sieben sein? Respekt – Dennis ist knallhart und fährt einfach los… Ich bin positiv von der Luxuriösität unseres Shuttles beeindruckt und daher auch nicht überrascht, als Dennis zur obligatorischen Ansprache ansetzt. Eigentlich bekloppt sowas, schließlich bin ich alt genug und verstehe es auch mittlerweile fremde Autos nicht zuzumüllen oder zu verdrecken. „Also kurz zu den Spielregeln: … Lautes Grölen und ostwestfälisches Liedgut ist ausdrücklich erwünscht!“ Schweigen… Wie, Ende der Ansage? Na, gut, diese Regeln werde ich nach bestem Wissen und Gewissen befolgen. Es folgt Arminenliedgut in einer Lautstärke, die selbst die letzten Kellerasseln hinter der Scheuerleiste samt Kinderlein verscheucht. Ich bin wach. In der Zwischenzeit dürfen wir uns in Stefans Buch der coolen Leute eintragen („Das ist doch nicht vollständig!“ - „Ich kann sowas nicht – ich brauche vor-de-fi-nier-te Felder!“(Henning)) und Dennis macht sich eine Freude draus uns unter Lachen beim Schreiben mit Spurwechseln zu beglücken.

In Eching fahren wir nochmal von der Bahn und mir dämmert es langsam, dass es anscheinend geplant war mit nur fünf Leuten loszufahren (drei Stunden Schlaf sind echt zu kurz…). Volker samt Freundin steigen zu und wir fahren weiter. Belustigt schauen wir drei von den billigen Plätzen zu, wie die beiden ebenfalls versuchen ihre Adresse unter weiteren Spurwechseln nur auf einer Seite von Stefans Notizbuch zu hinterlassen. Langsam wird mir bewusst – wir sind endlich wieder unterwegs zu unseren Blauen. Pflichtbewusst ziehe ich eine Flasche Bier aus meinem Beutel. Eigentlich ekelig so früh – Schuld sind diese Fan-feindlichen Anstosszeiten – ich bin aber beruhigt als die anderen ohne ein weiteres Wort meinem Beispiel folgen. Unterwegs überholen wir ein paar Busse mit Nürnbergern, die sich ihre Niederlage in Mainz abholen (man beachte die Bedeutung der bildhaften Sprache).

Unterwegs treffen wir uns mit Torte und fahren zusammen weiter. Ich kriege Schimpfe, dass das Bier nicht genügend gekühlt war, dann sind wir auch schon in Bankfurt angekommen. Als wir das Stadion betreten werde ich unweigerlich an Arminias Spiele in der Saison 1993/1994 in der Regionalliga West/Südwest erinnert. Ja, hier ist der Name Volksbankstadion Programm: Mein neues Leben XXS – ein Leben in der Bankenkrise. Fassungsvermögen ca. 8000, viertausend Zuschauer werden erwartet, davon 500 Arminen. „Ist hier auch mal ausverkauft?“ „Klar, wenn die Frauen spielen!“.

Das Spiel plätschert so dahin, nichts Aufregendes auf beiden Seiten. Passend dazu regnet es und auf den Stufen ist es schlammig. Wir Südländer machen unseren eigenen Fanblock auf, zur Freude der Umstehenden, und Hinterfragen mehrmals, wer denn den Spieß im Grill Athen dreht. Spätestens nach einem „Hinsetzen! Hinsetzen!“ unsererseits haben alle gemerkt, dass man dem eher müden Kick (Frankfurt hat es gut verstanden die Räume dicht zumachen) nur mit Humor begegnen kann, und gehen direkt zu einem ordentlichen Humba über. Torte und Stefan brachten es recht trocken auf den Punkt. Torte: „Kaspar, du darfst das Spielgerät durchaus auch gerne mitnehmen!“. Stefan: „Also die Bulette schmeckte gut.“ 0:0 Endstand und mehr als drei Stunden Rückfahrt. Nach einer Stunde wird mir das Spiel richtig bewusst und ich verfalle in einen Schockzustand. Dennis hält kurz an, und nach fünf Minuten frischer Luft (sagen das die Raucher auch?)geht es weiter.

Die Rückfahrt verläuft ruhig, mit Ausnahme der Diskussion, ob ein echter Armine sein Kind nicht Lohmann zu nennen hat. Wir setzen Volker und Freundin in Eching ab, bevor es zu unserem Startpunkt von heute morgen geht. Ein ergebnisloser Tag (Ha! Wortspiel!) geht zu Ende. Mein Fazit: Heute gab’s ein Stück Heimat – schlechtes Wetter, eine „normale Currywurst“, nicht so’n roter Ömmel, keinen Hurra-Fußball, sondern eher ein Mittelfeldgekicke, und endlich normale Leute.

Hier bin ich Armine – hier darf ich’s sein.

Verdammt. Was soll ich nur tun?! Immer diese schrecklichen Entscheidungen, die ein Leben so mit sich bringt. Man stelle sich folgende Situation vor:

Freitag Abend, Sommerfest in der Agentur. Besser gesagt in der Badeanstalt an der Leopoldstrasse. Ein laues Lüftchen kühlt die erhitzten Gemüter. Dazu das köstliche Nass, das die Kehlen erfrischt. Es riecht nach Rum. Nach Sommer. Nach Barbecue. Und ehrlich gesagt nach Sex. Nicht so richtig. Also nicht so wie Du das nun denkst. Vielmehr nach Erotik. Kribbeln. Ich arbeite in einer der größten Kommunikationsagenturen in München. Und ich bin einer der wenigen Männer in diesem Unternehmen. Lasst mich die Quote tippen. Ca. 73 : 27. Für die Damen. Mädchen eher.

Ein wirklich rundes Gesamtbild. So kann man es auf den Punkt bringen. Gegen 22.00 Uhr will ich gehen. Doch ich bleibe. Das Bild ist einfach zu rund. Gegen 23.00 Uhr muss ich echt los. Doch ich bleibe. Scheiße, ist dieses Bild rund. Und ganz ehrlich, was würde ich am nächsten Tag verpassen? Fußball. Männer. Warmes Bier. Wahrscheinlich mal wieder eine wunderbare Auswärtsniederlage. Ach komm, bleib noch. Lass das Bild noch ein wenig runder werden.

Mitternacht – und das Gewissen kommt. Nun ab nach Hause. Lass Sommerkleider Sommerkleider sein. Irgendwann macht Cuba Libre auch Sodbrennen. Und Gespräche mit anderen Menschen werden auch völlig überschätzt. Rein in den Bus. Die Reise durch München beginnt. Und endet nach gefühlten 35 mal Umsteigen um kurz nach 2 Uhr nachts in Haching. Schnell ins Bett. Leise sein, die Lütte soll nicht wach werden. Super, schon geschehen.

Irgendwann fallen mir die Augen zu. Ich gestehe mir ein, das wird morgen Früh anstrengend.

Piiiiiep – der Wecker. Nach einen traumlosen Nacht quäle ich mich gegen 7.00 aus dem Bett. Na super – da ist er, der Kater. Ich hab Dich nicht eingeladen. Und trotzdem bist Du da. Beim Mischen meiner flüssigen Marschverpflegung kommt es mir fast hoch. Bacardi kann nicht immer gut riechen. Duschen. Ich gebe zu, beim Anziehen im Schlafzimmer fällt mein Blick auf das Bett. Groß und noch warm. So einladend. Stefan, lass Dich einfach hinein sinken. Die können auch ohne Dich feiern. Aber nicht so gut, sagt das Männchen auf der anderen Schulter. Und schon fällt die Tür ins Schloss.

SBahn – das Telefon klingelt. Pity. ‚Es geht heute nicht. Ich kann nicht. Ich kann wirklich nicht…’ quäkt es mir entgegen. Oh verdammt, der hat durchgemacht. Das kann ja heiter werden. Und sein Anblick am Münchner Hauptbahnhof bestätigt meine Vermutung. Das wird heute ein langer Tag für meinen treuen Wegbegleiter… Ein sehr langer.

Langsam trudeln unsere Mannen ein. Leberkäs und Bier am Start, ausreichend Ziggis in der Tasche und noch immer den Geschmack des gestrigen Abends im Mund suchen wir unser Gleis. Warum um alles in der Welt stehen genau an diesem ca. 238646 Menschen. Die passen nicht in diesen Zug. Die wollen nicht in diesen Zug. Doch, sie wollen genau das. Doch wir sind schneller. Suchen uns die besten Plätze. Großraumwagen. Nette Begleitung aus der ehemaligen UdSSR. Neue Südländer. Und das Wetter wird mit jedem Meter besser. Eigentlich auch komisch, wäre ich Sonne, ich würde über München scheinen. Und Heureka, sogar mein Schnappes beginnt zu schmecken. Wer hätte das heute Morgen gedacht. Ich jedenfalls nicht.

to be continued….

Freitag Abend… Bei noch drückenden knapp 30° im Schatten drücken sich zwei Gestalten um preisgünstig zu erstehenden Alkohol herum und vergessen, ob der guten Laune die dieser verbreitet, was sie am nächsten Tag vor haben. Noch stehen die beiden Herren der Schöpfung handgeschätzte 15 Kilometer entfernt voneinander.
Samstag Morgen: Was gestern Abend – im wahrsten Sinne des Wortes – eitel Sonnenschein war drückt heute schwer aufs Gemüt: Regen und ein bisschen mehr als zehn Grad.
Und plötzlich schießt es beiden wieder durch den Kopf:
Richtig! Eigentlich stellt sich unsere Lage momentan genauso dar, wie uns heute Morgen das Wetter erscheint. Alles grau! Wir fahren nicht mehr nach München in die Allianz-Arena (es sei denn gegen die Löwen), sehen nicht mehr Zauberkünstler wie Diego oder können den finalen Todesschüssen von Grafittsch (oder wie auch immer) danken, dass er es war, der uns richtet.
Für uns heißt es jetzt mindestens ein Jahr lang: Paderborn, Koblenz und Augsburg! Gerade die Erfahrungen bei den letzten beiden Kandidaten stimmen einen Arminiafan für die Fahrt zum ewig genannten Aufstiegsfavoriten Greuther Fürth nicht gerade positiv.
Dabei ging es Alles so schön los: Vor genau einem Monat das erste Zusammentreffen der Südländer in der Saison -1: Bikiniwetter, Biergarten, Buden für Arminia. Nur eine Woche später (übrigens eine Premiere für die Südländer zwei Spiele hintereinander gemeinsam in größerer Runde zu begehen): Kneipenfest, Katongotor, knallharte Überlegenheit. Dann ging’s aber wieder seinen für Arminia gewohnten Gang: In Koblenz: „Von drei auf null in sechs!“ (Ich danke Jinda für die schöne Formulierung) und gegen Augsburg war auch nicht viel zu wollen. Und nun also Fürth.
Wenn man sich solche Gedanken noch auf dem Gästebett um sieben Uhr morgens machen muss, der Regen draußen ans Fenster prasselt… was könnte es Schöneres geben? Egal! Lederhose an, Trikot an, Kappu drüber! Die paar Meter zum Bahnhof gelaufen… Zweiter! Da stehen jetzt die beiden Herren vom Vorabend vereint und beiden sieht man ebendiesen an. Innerhalb von sieben weiteren Minuten ist man zu neunt. Aufmunitionieren: Kaffe, August und eine Sprite für den Kleinen! derBallistrund hat sogar an Leberkässemmeln gedacht. Mittlerweile sieht das bei uns ja schon fast organisiert aus: Auch wenn mehr nach Kaffefahrt als nach Auswärtsspiel.
Nach den neuesten Geschichten und Geschichtchen um unser Aller Lieblingsstaatsunternehmen hätte man vermuten können, dass der Zuspruch der Konsumenten nachlässt, doch weit gefehlt: Der Zug platzt aus allen Nähten, so dass sich Südland-Arminen als Kofferträger verdingen müssen, auf dass sie überhaupt noch einen Sitzplatz bekommen. Nachdem jeder seinen Platz gefunden hat und sofort wieder Kontakte zu im Süden ansässigen Arminen geknüpft wurden, die bisher noch nicht bekannt waren; gibt man sich der klassischsten aller Freizeitbeschäftigungen hin: Einer Diskussion über lateinische Tempi.
So wird die Fahrt nach Nürnberg denn auch kurzweilig. Nürnberg Umstieg in die Verbindung nach Fürth. Es wollte tatsächlich keiner mehr laufen. Und dann gleich ein doppelt warmer Empfang. Zum einen der Rest der Gruppe, die aus anderen Teilen des Südens am Bahnsteig warteten. Zum anderen zwei Herren in schwarz mit Schlagstock am Gürtel mit der wunderschönen Ansprache: „Wenn Sie uns bitte folgen würden?“ woraufhin der Kollege gleich hinzufügte: „Wenn Sie möchten, steht hier ein Bus für Sie bereit!“ Wir mochten und freuten uns über diese angenehme Begrüßung.
Noch ein Bierchen in der nahegelegenen Kneipe getrunken, um dann in einen der hässlichsten Gästeblöcke des Deutschen Profifußballs einzurücken: Metallplattenverschalt, wie beim letzten Aufenthalt, lag der Gästeblock in der nun wieder strahlenden Sonne! Vielleicht wird es ja doch noch was?
Nein, Fürth startet stark und Arminia steht leicht geduckt in der eigenen Hälfte herum, was sich ab der 25. Minute ein wenig bessert. Hilft trotzdem nicht: Einschlagen tut es nach einer etwas drögen ersten Halbzeit direkt vor dem Arminia-Block für die Kleeblätter. Halbzeitpause zum Hinsetzen nutzen vielleicht reicht es ja wenigstens noch für einen guten Teint. Anstoß: Zweite Halbzeit: Tor 2:0 führt Fürth (entschuldigt, der musste sein). Leicht schläfrig wird der nun komplett entspannte Betrachter nur noch durch den Jubel zum Anschlusstreffer geweckt. Aber wo man gerade steht: Wieder Federico, wieder Fort, wieder Tor: 2:2! Irgendwie kriegt man die Augen aber noch nicht weit genug auf um zu sehen, dass es im Gegenzug für die Fürther gleich wieder ein paar Mal brenzlig wird. Das muss man sich dann nachher mal im Fernsehen anschauen… Arminia im Angriff: Katongo semmelt das Ding ins Außennetz und nach drei Saisonspielen, ist man sich wieder sicher, dass er letzte Saison nicht auf der falschen Position eingesetzt wurde. Es geht halt einfach nicht anders. Denkste: 2:3! Und weil es diese Saison nun mal nicht geht, dass Herr K. trifft und Herr F. nicht, steht es dann wirklich 2:4.
Geträumt? Sonnenstich? Ist es noch gestern Abend oder doch heute Mittag?
Dem Ordner im Block fällt zu den beiden oben erwähnten Herren nur noch eins ein: „Wie die jungen Hunde!“ Ja, und zwar wie!

Der Rest ist klar: Niederknien, Neuzeller Klosterbier, Nürnberger Würstchen (Kein Spieß im Grill Athen!)
Zurück im Zug: Betrunkene dekorieren, im Hbf ein letztes Mal feiern und ab ins Nest!
Gestern war heute noch morgen? Dann möchte ich nicht wissen was morgen Alles passiert. Noch so eine Achterbahnfahrt muss nicht sein! Aber so lange das Ende passt…

Zugegebenermaßen: Der erste Teil dieser Überschrift ist einer Arminia-Marketing-Kampagne entlehnt, um zum Spiel gegen Wolfsburg die neue Haupttribüne zu füllen. Ob diese Aktion erfolgreich war, wird unten noch ein Mal erwähnt. Allerdings mussten wir feststellen, dass dieser Titel auch auf unser südliches Rudel sehr gut zugeschnitten war.

Nach den Strapazen des vergangenen Tages flüchteten sich einige Südländer in einen tiefen und erholsamen Schlaf, andere hatten noch Besorgungen und Besuche in der Heimat zu machen. Zusammengeführt wurden jedoch alle wieder um 12 Uhr im Schloßhof. Bei strahlendem Sonnenschein und einigen Weißbier, wurde der Abstinenz der heilige Krieg erklärt. Ob es der Hass war, der diesem Dschihad natürlichweise innewohnt, sei dahingestellt auf jeden Fall tauchten direkt in unserem Blickfeld einige Wolfsburger auf, die alsbald begannen so etwas zu veranstalten, was man in der VW-Stadt wohl Stimmung nennt. Schon seltsam, was Kurzarbeit aus “Menschen” machen kann…

Dennoch die Laune konnte nicht getrübt werden. So lief man dann endlich und pünktlich gegen 14:30 in der organisierten Loge ein und bestaunten - natürlich nach dem die Fenster aufgerissen wurden, was durch C.V. und Torte organisiert worden war. Etliche 60 Liter Weißbier und zur Stärkung noch einige Stadionforellen. Also alles perfekt und angerichtet.

Aus diesem Adlerhorst hatte man perfekte Sicht über das gesamte Stadion und direkten Zugriff auf den Block J. Also: STIMMUNG MACHEN! JETZT!! Gut gefüllte Alm, alles schön… Moment mal! Gut gefüllt? Die neue Haupttribüne war nicht nur in den klassischen “VIP-Minuten” vor und nach der Halbzeit menschenleer, sondern das komplette Spiel über. Kann man nun sagen, dass die oben angesprochene Kampagne fehlgeschlagen ist? Vielleicht waren die unter 18jährigen auch einfach die falsche Zielgruppe für diese Sitzplätze? Als Verzweiflungstat kann es wohl so oder so abgestempelt werden…

Spiel geht los: Und wie die Eisenbahn! Tesche freistehend vor Benaglio… nix! Daniel Halverlust macht seinem Namen alle Ehre, aber egal: Arminia ist stark! Naja anscheinend nicht stark genug, nach einem Eckball für Arminia spielt Wolfsburg einen Konter im Stile einer Topmannschaft und überrennt die zu langsamen Bielefelder 0:1!
Pause! Bier läuft, Stimmung super, gute Laune und die Hoffnung, dass der Ball doch noch das Zeil findet!
Fünf Minuten nach dem die Halbgötter in blau angefangen haben auf die Südland-Loge zuzuspielen ein riesiger Aufreger: Halfar zieht ab, Begnalio hält und der Ball landet auf Tesches Fuß, der versteht anscheinend das Spiel noch nicht und nimmt den fliehenden Schweizer abermals unter Feuer! Zwei zweifelhafte Abseitsentscheidungen gegen Arminia später, legt Halfar Misimovic den Ball zur Einleitung eines schönen Konters vor. Schade! 0:2! Halfar wird sofort bestraft und gegen Vlad rausgenommen, der richtig frischen Wind bringt. Dann ein bisschen langweiliges Gekicke. Und natürlich sind auch bei Arminia aller guten Dinge nicht zwei, sondern drei: 85. Minute Munteanus Flanke erreicht Tesche…. drei Minuten später dann das 0:3.

Der Rest des Tages versinkt in Feiern der Situation, dass (fast) alle anderen für Arminia gespielt haben und in der Weiterführung des oben angesprochenen Kampfes.

Am nächsten Morgen kurzes Wundenlecken in der Friedrich-Hagemann-Straße, dann ab auf die Bahn! Kurzes Verabschieden beim Restaurant “Zu den goldenen Bögen” an der bayrischen Grenze! Dann wieder zu Hause. Ein geiles Wochenende auch wenn leider ein Mal mehr die drei Punkte fehlen…

Es sind ja noch ein paar Spiele und so lange die anderen auch so spielen… besser nicht drüber nachdenken!

Sage mir, Muse, die Taten der vielgewanderten Männer,
welche so weit geirrt, nach der heiligen A7 Zerstörung… Diese leicht abgewandelten ersten Zeilen des Epos von Homer zu Ehren des Odysseus beschreiben das erste Kapitel des lange geplanten und sehnlich erwarteten Südlandwochenende II anlässlich des Heimspiels der Halbgötter in Blau gegen die Werksmanschaft aus Golfsburg. Aber von vorne:

Nachdem “Der Ball ist rund” das Südlandshuttle für den Weg gen Bielefeld besorgt hatte und die Abfahrt unter Androhung von Strafe bei Verspätung auf drei Uhr taxiert wurde, stiess man um fünf Minuten vor 15:00 Uhr am Münchener Hauptbahnhof in den Asphalt. Doch nicht nur für den fahrbaren Untersatz war gesorgt: Neben obligatorischem Schal und Fahne war zudem noch ein Kasten Augustiner zu finden. Zu diesem wurde allerdings angemerkt, dass mindestens eine Flasche für den Fahrer zurück bleiben sollte. Naja, geschätzte fünf Stunden Fahrt und drei Trinker… das sollte wohl zu machen sein.

Also ab auf die Bahn! Erstes Mal Verkehrsfunk: Stau bei Allershausen, also nix Ungewöhnliches. Also weiter Faxe zuhören, wie Oberligaspiele aus den 70ern flüssig heruntergebetet werden. Zweites Mal Verkehrsfunk: Unfall auf der A7 bei Schweinfurt, aber das ist ja kein Problem, man kennt die Strecke schließlich auswendig und weiß, dass man auch die A73 zur Umfahrung nutzen kann. Superstimmung im Bus! Das Augustiner drückt auf die Blase, hat irgendwie alles ein bisschen was von Klassenfahrt. Viertes Mal Verkehrsfunk: Aus dem erwähnten Unfall auf der A7 sind 21 Kilometer Rückstau und eine Sperrung der Bahn geworden. Naja, wir haben immer noch viel Zeit. Also ab auf die A73, mittlerweile ist Faxe im Jahr 1978/79 angekommen und den beiden Toren von Norbert Eilenfeldt gegen die Bayern. Bevor man zu sentimental wurde, wechselte man schnell das Thema und kam auf einen gewissen Ayhan Tumani , bei dem die Erinnerung zwischen Halbgott und Mensch himmelweit auseinandergingen…. Möge sich jeder sein eigenes Urteil bilden!
Diese Schwärmereien brachten die Insassen dann doch über die größten Verkehrsprobleme weg, denn auf ein Mal hatte man freie Fahrt. Einziges Manko: Man fuhr in die falsche Richtung. Wir hatten ganz offensichtlich so engagiert diskutiert, dass man sich nun kanllhart Richtung Erfurt befand und folglich wenden musste. Auf der Fahrt einige Meter zurück tauchten dann auch tatsächlich Vierzehnheiligen und der Staffelberg wie Skylla und Charybdis auftauchten, um im oben angesprochenen Wortspiel zu bleiben. Jetzt einem romantischen Sonnenuntergang entgegen fahrend wurde der nächste Abtritt angesteuert, der einem Mitreisendem “für den Rest des Lebens” in Erinnerung bleiben soll (Rastanlage “Spitzberg”). Direkt hinter dem anschließenden Tunnel erwartete die Gruppe nun, was im Radio gesagt wurde. Nach einem schrecklichen Unfall ging hier gar nichts mehr. Das erklärte auch die Bitte des Radiomäuschens die Stelle weiträumig zu umfahren… vielleicht wäre Erfurt wirklich nicht schelcht gewesen. Da blieb dann auch die nächsten drei Stunden so, denn natürlich hatten alle Mitfahrer einhellig gesagt man bräuchte weder Karte noch Navi, da man die Strecke ja kannte.
Dann wurde es langweilig: Weder der neue James Bond (der geneigte Leser erkennt nun die Verbindung zum Titel), noch ein Tippspiel gegen die 11Freunde-Redaktion, das einen eindeutigen Gewinner kannte, noch die Verfolgung des Freitagsspiels der freundlichen Boxxumer vermochte da für rechte Aufheiterung zu sorgen.
So umkreiste man weiter das naheliegende Restaurant und weilte sich lang! Nachdem man dann auch noch durch die Freunde in Grün im Kreis geführt wurde, rief man dann doch noch weit entfernte Hilfskräfte an, die dann per Telefon über Vasbühl, Arnstein und Kissingen leiteten und so dann den letzten Abschnitt der Fahrt einläuteten.

Nun packte Dennis seine fahrerischen Qualitäten aus und man erreichte Bielefeld im Fluge. Dieses ist nach einer kleinen Ralleyvorführung durchs Musikerviertel durchaus so zu verstehen. Und so parkte man dann doch gegen viertel nach zwölf und somit fast 9 1/2 Stunden Fahrt vor dem Hotel, in dem man sich um acht zum gemeinsamen Pils verabredet hatte. Natürlich kein Mensch mehr da. Also den freundlichen Rezepzinist gefragt: “Guten Abend, könnten Sie eventuell bei Herrn Gxxxx oder Herrn Kxxx anrufen?”. So konnte tatsächlich Torte noch ausgemacht werden und so gab es doch noch ein Willkommensbierchen bevor man sich Richtung Bett aufmachte…

Übrigens: Selbstverständlich bekam der Fahrer seine zwei Flaschen Bier, die anscheinend auch am Abend noch Vorschriftsmäßig vernichtet wurden.

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